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Newsletter 01/2015 – Januar 2015

Die „jungen Alten“ sind entdeckt

Oder wenn die Medien beginnen, uns wahrzunehmen.

Von Anton Schaller

Jetzt beginnen die Medien – auch der Zürcher Tages-Anzeiger - zu entdecken, was wir schon lange von ihnen fordern: als (junge) Alte eben entdeckt zu werden. Ein heute 60-jähriger Mann habe laut offizieller Statistik noch ein Leben von 23 Jahren vor sich, eine Frau gar von 26 Jahren, schreibt der Tages-Anzeiger, was ja alles andere als eine Neuigkeit ist. Der medizinische Fortschritt und der Wohlstand hätten uns fast eine ganze Generation geschenkt. Und dann das Eingeständnis und der erhellende Satz dazu: „Nur haben wir dies nicht richtig wahrgenommen“, schreibt Helene Arnet weiter in ihrem Kommentar zur TA-Telefonkampagne „Senioren“, mit der die Zeitung vor Weihnachten die Sorgen der älteren Menschen aufzuspüren versuchte.

Fürwahr. Bis jetzt waren die älteren Menschen für die grossen Medien immer dann ein Thema und von besonderem Interesse, wenn ein älterer Mann einen Verkehrsunfall produzierte, wenn eine ältere Frau in die Fänge von Enkelbetrügern geriet.

Dem Tages-Anzeiger ist zugute zu halten, dass er das Thema aufgreift, wenn auch spät und eher als Event, als mit umfassenden Recherchen und fundierten Analysen. Bei diesen Arbeiten wäre den Journalisten und RedaktorInnen zweifellos aufgefallen, dass sich unzählige Organisationen in der Schweiz, im Kanton Zürich, mit dem Thema befassen, sich mit all den Fragen fundiert auseinandersetzen, die jungen Alten schon längst entdeckt haben.

Das „Forum Alterspolitik im Kanton Zürich“ beispielsweise trifft sich jedes Jahr einmal mit einer Delegation des Zürcher Regierungsrates. Dem Forum gehören die Pro Senectute des Kantons Zürich, der Zürcher Senioren- und Rentnerverband ZRV als grosse Organisationen sowie der Zürcher Seniorenrat an. Das Forum bringt bei diesem Gespräch die Fragen ein, die ältere Menschen im Kanton Zürich bedrängen, stellt gezielte Fragen, will von der Regierung wissen, wie beispielsweise das neue Pflegegesetz, das seit dem 1.1.2012 in Kraft ist, auch umgesetzt wird. Ob und wie sie darüber wacht, dass in den Alters- und Pflegeheimen in den Gemeinden die Kosten richtig erfasst werden, dass die finanziell klar festgelegten Pflegesätze eingehalten werden und dass nicht versucht wird, über erhöhte sogenannte Hotelleriekosten die Pflege quer zu finanzieren, so die zu Pflegenden noch mehr zu belasten.

Das Forum versucht die Regierung zu sensibilisieren, dass das Wohnen im Alter zunehmend für viele ältere Menschen zu einem Problem wird, dass beispielsweise über die Wohnbauförderung doch alternative Wohnformen unterstützt werden könnten. Es weist darauf hin, dass die Wohnbeihilfen über die AHV seit über 10 Jahren nicht mehr erhöht wurden, dass der Regierungsrat auf nationaler Ebene sich für eine Erhöhung einsetzen soll.

Das Forum macht die Regierung darauf aufmerksam, dass die pflegenden Angehörigen eine grosse Leistung erbringen, aber nicht unterstützt werden. Es will von der Regierung wissen, wie die nationale Demenz-Strategie im Kanton Zürich konkret umgesetzt wird. Bleibt es bei einer Informationskampagne, oder entsteht ein Kommunikationskonzept, um all die Menschen zu erreichen, die von den Erkenntnissen der Demenz-Strategie profitieren könnten? Verfügen die Gemeinden und der Kanton über die notwendigen Einrichtungen, um die rund 18’000 Menschen im Kanton Zürich, die dement sind, auch aufzunehmen, ihnen die Betreuung zukommen zu lassen, die sie benötigen?

Und schliesslich war bei der letzten Begegnung die „Teilhabe der älteren Menschen in der Wirtschaft nach der Pensionierung“ ein ganz zentrales Thema. Das Forum forderte von der Regierung, dass sie eine Vorreiterrolle übernimmt. Sie könne bei ihren Beschäftigten in der Kantonalen Verwaltung, in den Lehranstalten, wie der Universität, den Fachhochschulen, in den Spitälern, handeln. Sie könne die Personalgesetzgebung, die Reglemente der Kantonalen Beamtenversicherung ändern, könne das Renteneintrittsalter flexibilisieren, mit der nationalen Gesetzgebung, die zurzeit mit der „Vorsorge 2020“ revidiert wird, koordinieren. Und: Die Fachkräfte-Strategie des Bundes sei auf den Kanton zu übertragen. Denn viele der älteren Menschen könnten sich vorstellen, über das Renteneintritts-Alter hinaus aktiv im Arbeitsprozess zu bleiben. Der Regierungsrat will das Thema aufgreifen, er will handeln.

Der Verein „Senioren für Senioren“ Küsnacht-Erlenbach-Zumikon „SfS“, Kollektivmitglied des ZRV, beispielsweise zählt über 2’000 Mitglieder. Zum harten Kern gehören rund 100 Mitglieder, die im Jahr über 17’000 Einsatzstunden leisten, die für ältere Senioren waschen, bügeln, nähen, Fenster putzen, bei der Steuererklärung helfen, Fahrdienste übernehmen. Vier der Gründungsmitgliedern - Frauen - sind noch heute aktiv. Der Verein ist dieses Jahr 20 Jahre alt geworden, damals gegründet von jungen Alten.

Auf der nationalen Ebene setzt sich der Schweizerische Seniorenrat SSR, der von den grossen nationalen Verbänden, dem Schweizerischen Verband für Seniorenfragen SVS (mitte-rechts) und der Vereinigung aktiver Alters- und Selbsthilfeorganisationen VASOS (mitte-links) getragen wird, konkret für die Anliegen der älteren Menschen ein. Beide Organisationen entsenden je 17 Mitglieder in den nationalen Seniorenrat. Beide Organisationen sind zusammen repräsentativ für gegen 250’000 organisierte ältere Menschen.

Der SSR nimmt Stellung zu allen bundespolitischen Altersfragen, die der Bundesrat in die Vernehmlassung gibt. Die Stellungnahmen werden in Arbeitsgruppen erarbeitet und dem Plenum zur Genehmigung vorgelegt. Eine bemerkenswerte Stellungnahme hat der SSR zur Vorlage „Vorsorge 2020“ eingereicht. Der Fraktion des SVS ist es gelungen, auch die Mitglieder der VASOS in die Stellungnahme einzubinden, in der die Paket-Lösung angestrebt wird, indem vor allem die bisherige Mitfinanzierung durch den Bund weiterhin sichergestellt wird. Der SSR ist in dieser Eigenschaft Beratungsorgan des Bundesrates. Er wird denn auch durch das Bundesamt für Sozialversicherung entschädigt.

Der Schweizerische Verband für Seniorenfragen SVS lädt vor jeder eidgenössischen Abstimmung Experten, Befürworter und Gegner zu Referaten, Podiumsveranstaltungen ein, um sich eine eigene Meinung aus alterspolitischer Sicht zu bilden. In ihm werden auch die drängenden Fragen in Bezug auf die immer höher werdenden Krankenkassenprämien, die Vorsorgeproblematik behandelt und über innovative Idee diskutiert, wie beispielsweise die Kostenexplosion im Gesundheitswesen in den Griff genommen werden könnte. Bis jetzt sind die Aktivitäten sowohl des SSR, des SVS als auch der VASOS in den Medien kaum zur Kenntnis genommen worden. Das wird sich möglicherweise jetzt ändern, wenn die Medien nun auch die jungen Alten zu entdecken beginnen. Ist doch prima. Wenn nicht, so müssen wir handeln.