Logo Zürcher Senioren- und Rentner-Verband

Forchstrasse 145
8032 Zürich
Tel. 044 422 81 00
Fax 044 422 81 62
info@zrv.ch
www.zrv.ch

Newsletter 02/2011 – Mai 2011

2. Zusammenkunft 2011 Forum 50plus-ZRV für Vertreterinnen und Vertreter von Kollektivmitgliedern und Partner-Organisationen zum Thema:

„Alter und Ausländer in unserer Gesellschaft“

Dr. H.R. Schuppisser, ZRV-Vizepräsident

Das Thema „Migration und Alter“ prägt unser Alltags-Leben seit Langem. Das Thema wurde sogar zu einem vom Bund, in diesem Jahr vom Schweizerischen Seniorenrat, verlangten Berichtspunkt. Aber worum geht es überhaupt dabei ? Im Gespräch erwies sich der Titel „Alter und Ausländer in unserer Gesellschaft“ als verständlicher.

Die erst nach einigem Suchen gefundene Referentin, Frau Brigitta Marti-Meyer, erwies sich als Glücksfall. Sie wurde mit ihrem lebendigen, fachlich gut fundierten Vortrag diesem vielschichtigen Thema mehr als nur gerecht. Als ehemalige Krankenschwester, ausgebildete Gerontologin und Zuständige für den Sozialdienst im Pflegezentrum Irchel/Mattenhof in Zürich, fesselte sie die Zuhörer immer wieder mit praktischen Beispielen und Erfahrungen. Ihre Aussagen lösten bei den Zuhörenden manches Kopfnicken aus.

Tatsache ist, dass von den rund 1,6 Mio. Migranten in der Schweiz (ohne Eingebürgerte) ca. 115 000 älter als 65 Jahre sind. Wenn die Pflegebedürftigkeit dieser Personengruppe mit derjenigen der Schweizer vergleichbar wäre, dann dürfte die Zahl der pflegebedürftigen Ausländerinnen und Ausländer bereits heute gross sein. In Zukunft wird überdies die herkunftsmässige und sprachliche Vielfalt der ausländischen Pflegebedürftigen weiter zunehmen.

Ein Charakteristikum des ausländischen Bevölkerungsanteils scheint zu sein, dass die Zugewanderten stärkere Familientraditionen befolgen. Das heisst, dass die Pflege im Heim eher als letzter Ausweg gesehen wird. Was dies im Einzelfall dann heissen kann, zeigt das Beispiel einer alten anatolischen Frau. Leicht dement, musste sie allein im Pflegeheim untergebracht werden. Niemand vom Pflegepersonal verstand sie. Was nun? Man brachte sie abends einfach nicht ins Bett. Erst als man eine junge, in der Putzequipe tätige Landsmännin zu ihr gebracht hatte, löste sich das Problem: „Grossmutter“ wollte unter keinen Umständen ohne Kopftuch zu Bett gehen! Darauf muss man kommen!

An solchen Beispielen entwickelte sich im Forum rasch eine ernsthafte Diskussion. Es zeigte sich, dass alle das Gefühl hatten, es sei angesichts der Bevölkerungsstruktur schier unmöglich, allen Migranten je nach Herkommen eine spezielle Struktur und Pflege zu bieten. Zur Zeit scheint das in einzelnen Fällen noch möglich zu sein, da bei den über 65 Jährigen die Italiener die Mehrheit bilden.

Das wird sich aber ziemlich rasch ändern, weil die Zuwanderungspolitik immer neue Rekrutierungsländer erschlossen hat. Mit nur einer „mediterranen Abteilung“ wird es immer weniger zu machen sein! Sicher ist jedoch, dass damit die Anforderung an Personal, Spitexdienste sowie  Pflegeheime zunehmen. Aber gleichzeitig wachsen damit auch die Anforderungen sowohl an die in- als auch an die ausländischen Senioren. Auch sie müssen sich auf solche Situationen einstellen. Weder Forumsteilnehmer noch die anwesenden Fachpersonen, wie Herr Raymannn von Pro Senectute Zürich, hatten den Eindruck, es gäbe da eine einfache konzeptionelle Lösung. Aber wie der Fall „Kopftuch zum Schlafen“ zeigt, kann man mit gutem Willen und mit „Köpfchen“ in jedem Einzelfall viel bewirken.

Das Thema „Alter und Migration“ wird den ZRV, ob wir wollen oder nicht, weiter beschäftigen.

Im Anschluss an den stark applaudierten Vortrag und die Diskussion orientierte H.R. Schuppisser noch darüber, dass der ZRV als Resultat des Vortrages und der Diskussion zum Thema „Missbrauch im Alter“ an der letzten Forumsveranstaltung Mitglied bei der UBA - ZH/SH geworden ist. Er möchte so die Zusammenarbeit mit dieser Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter festigen.

Zum Schluss orientierte der ZRV-Präsident A. Schaller noch über nächste Veranstaltungen (siehe www.zrv.ch) und lud zum üblichen Apéro ein. Auch da war noch einiges zu hören, z.B. von Peter Schröter vom Seniorenverein Fehraltdorf, über die gewonnene „Schlacht um den Nüünipass“ mit ZVV und SBB.

Fällanden, 27. Mai 2011