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Newsletter 03/2013 – Mai 2013

„Zeittausch -
das St. Galler Modell der Zeitvorsorge“

Von Hans Rudolf Schuppisser, Vizepräsident ZRV

Im Quartiertreff Hirslanden in Zürich trafen sich Repräsentanten der Kollektivmitglieder und Partnerorganisationen des ZRV und die Gäste zur 2. ZRV-Forumsveranstaltung in diesem Jahr. Es ging diesmal um die Frage, inwiefern Zeittausch, eine Art Zeitbörse,  eine reale Vorsorge im Hinblick auf die eigene Hilfs- und Pflegebedürftigkeit sein könnte.

Im Hinblick die wachsende Zahl hilfs- und pflegebedürftiger älterer Menschen sowie auf den sich abzeichnenden Personalmangel im Pflegesektor drängt sich diese Frage auf. Besonders in den Städten, hat man dieses Problem erkannt. In St. Gallen wurde deshalb die „Stiftung Zeitvorsorge St. Gallen“ gegründet. Unser Referent, Dr. Reinhold Harringer, ehemaliger Leiter des Finanzamtes der Stadt St. Gallen und Präsident des Stiftungsrates der besagte Stiftung, sprach zum Thema “Zeittausch - das St. Galler Modell der Zeitvorsorge.“ Aus seinen klaren und interessanten Ausführungen ging schnell hervor, dass das Modell erst am Werden ist. Das heisst, viele Vorbereitungen und auch die politischen Entscheide betreffend finanzieller Garantie sind zwar erfolgt, aber das St. Galler-Modell funktioniert in der Praxis noch nicht.

Ein Zeittauschmodell braucht geeignete Voraussetzungen
Wieso man noch nicht so weit ist, wurde beim Vortrag von Dr. Harringer auch jedem klar. Allein bis sich eine Initiantengruppe gefunden hatte, bis man ein Konzept entwickelt und von den Stadtbehörden das Vertrauen bekommen hatte, dauerte es einige Zeit. Dann braucht es aber auch ganz klare Vorstellungen über die Gegebenheiten der ambulanten Angebote wie Spitex, Pro Senectute, Heime usw. in deren Rahmen der freiwillige Zeittausch stattfinden soll. Auch die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Freiwilligen, also von Laien, in diesem professionellen Umfeld und an der Seite anderer, unentlöhnter Anbieter (Benevol, etc) muss geklärt sein.

So realisierten die Zuhörer, dass es ein grosses Konkurrenz-Spannungsfeld mit der beruflichen Hilfs- und Pflegeangeboten sowie mit der unbezahlten Freiwilligenarbeit gibt. Gerade um dies zu vermeiden wurde der Leistungskatalog für den Zeittausch auf einfache Tätigkeiten wie Besuche, Handreichungen im Haushalt, Einkaufen, Begleitung, administrative Unterstützung, Vorlesen, Spielen usw. eingeschränkt. Man kam zum Schluss, dass die freiwilligen „Zeitvorsorgerinnen und –vorsorger“ - damit sind vor allem sog. „Rüstige Pensionierte“ gemeint -  nebst einem guten Umgang mit Menschen, Zuverlässigkeit, Selbständigkeit und Mobilität auch die Bereitschaft mitbringen müssten, einen Grundkurs zu absolvieren. Dies und noch vieles mehr bis zu politischen Entscheiden betreffend finanzieller Unterstützung und Garantie durch die Stadt St. Gallen mussten die St. Galler Initianten hinter sich bringen, bis sie jetzt endlich  eine Geschäftsstelle einrichten können. Zur Zeit evaluiert man die nötigen Hilfsmittel und Einrichtungen (Programme etc), die man anschaffen will. Die Betriebsaufnahme ist auf Anfang 2014 geplant. (vgl.
http://www.stadt.sg.ch/home/gesellschaft-sicherheit/aeltere-menschen/zeitvorsorge/_jcr_content/RightPar/downloadlist_teaser/DownloadListParTeaser/download_teaser_1.ocFile/Zeitvorsorge_StGallen_Kurzfassung.pdf )

Diskussion: Schadet’s oder nützt’s der Freiwilligkeit ?
Bei der lebhaften Diskussion mit Dr. Harringer konnten viele praktische Fragen geklärt werden. Es kam auch zu einer engagierten Auseinandersetzung zwischen den Teilnehmenden.  Die einen kritisierten das Modell, weil es der echten Freiwilligkeit abträglich sei und administrativ zu schwer konzipiert wirkt. Andere, auch der Referent ,sahen einen Vorteil im Zeittauschmodell, weil mit der Zeitgutschrift  ein Anreiz geschaffen wird. Ein Anreiz, der vor allem in städtischen Verhältnissen der Freiwilligentätigkeit wieder Auftrieb verschafft. Die Idee “Das Dorf wieder in die Stadt bringen“ hat schon etwas an sich.

Schliesslich wurde der Referent mit kräftigem Applaus verabschiedet. Dann ging man zu den Mitteilungen und schliesslich zum Apéro über. Bei diesem sorgte das Thema „Zeittausch“ weiterhin für Gesprächsstoff.

P.S: Der ZRV verblieb mit Dr. Harringer so, dass wir uns in zwei Jahren, über den Stand der Realisation des St. Galler – Modells informieren wollen. Es könnte ja doch Fleisch an diesem Knochen sein!