Logo Zürcher Senioren- und Rentner-Verband

Forchstrasse 145
8032 Zürich
Tel. 044 422 81 00
Fax 044 422 81 62
info@zrv.ch
www.zrv.ch

Newsletter 06/2011 – November 2011

Die Genossenschaft neu entdecken

zum Thema :

Demenz: Wie Senioren untereinander solidarisch sein könnten

Von Anton Schaller, Präsident ZRV

Ein Gespenst geht um: Demenz. Immer mehr ältere und immer mehr alte Menschen sind davon betroffen. In den Medien wird die Krankheitserscheinung immer mehr zum zentralen Thema. Bei Günther Jauch im Ersten Deutschen Fernsehen war ein Mann präsent, dem vor einiger Zeit die Diagnose „Alzheimer“ vermittelt wurde, der sich mit seiner Partnerin einstellt auf das Fortschreiten der Krankheit. Den letzten Montag widmete das Schweizer Radio den ganzen Vormittag der noch wenig erforschten Krankheit.  Bei Sandra Maischberger, wiederum bei der ARD, stritten die Diskutanten über die geringen Renten in Deutschland und landeten, wohl eher ungewollt, bei Alzheimer und den Folgen.

In der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ beschreibt der Schweizer Journalist Walter Däpp behutsam, einfühlsam berührend den Freitod der Künstlerin Erica Bolinger, die sich 61-jährig mit einem Lächeln auf dem Gesicht mit der Hilfe von Exit der fortschreitenden Krankheit entzog. Sie wollte nicht weiter darunter leiden, wollte ganz bewusst noch selber entscheiden, wollte weder ihrem Mann noch der Gesellschaft zur Last fallen, verabschiedete sich deshalb zwei Jahre nach der Diagnose Alzheimer für immer von der Welt.

Die Prognosen, wie sich die Krankheit weiter verbreiten, die Erkenntnisse, wie die immer älter werdende Gesellschaft in welchem Ausmass von der Krankheit in Mitleidenschaft gezogen wird, sind noch ungenau, die Krankheit noch nicht präzis erforscht. Die Wissenschaft arbeitet weltweit fieberhaft daran. Sie versucht die Ursachen zu ergründen, versucht Therapien, Medikamente zu entwickeln, um die Krankheit möglichst zu stoppen, zu heilen, zumindest zu hemmen. Auch an der Universität Zürich und in den angeschlossenen Kliniken wird fieberhaft nach neuen Erkenntnissen geforscht, ist bereits ein Medikament entwickelt worden, das zwar auf Alzheimer einwirkt, aber derart starke Nebenwirkungen auslöst, dass es nicht, oder noch nicht, einsetzbar ist.


Niemand ist vor dieser Krankheit gefeit. Wir müssen uns auf deren weitere Verbreitung einstellen, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen uns darauf einstellen, dass trotz fieberhaftem Forschen nicht so schnell ein Medikament zur Verfügung stehen wird, das Alzheimer hemmt, gar heilt. Wir müssen letztlich die notwendigen Kliniken, Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stellen. Und wir müssen uns schliesslich darauf einstellen, dass die Erkrankungen das Gesundheitswesen belasten werden, die Gesundheitskosten und so auch die Krankenkassenprämien ansteigen lassen.


Lothar Späth, der frühere baden-württembergische CDU-Ministerpräsident und Zeiss-Sanierer in der ehemaligen DDR, hatte in der Sendung bei Sandra Maischberger einen Trost parat: Wir müssen den Genossenschaftsgedanken neu entdecken. In der schwäbischen Gemeinde Riedlingen hätten sich die älteren Menschen zu einer Genossenschaft zusammengefunden: „Genossenschaft Senioren Tagespflege“ heisst die Institution, kurz „Senioren für Senioren“. Alle könnten Genossenschafter werden. Die Aktiven würden die Kranken pflegen, die Kranken würden es den Aktiven danken. Jeder Helfende könnte pro geleistete Stunde 8 EUR verrechnen. Er könne sich die Stunden aber auch gutschreiben lassen, als Gutscheine, die er dann einlösen könne, wenn er dannzumal Hilfe brauche. So sei dann auch der zu Pflegende nicht auf Almosen, auf Hilfeleistungen angewiesen, die ihn in seinem Kranksein beschämen könnten; er hätte diese Leistungen durch seine frühere Leistungen als Aktiver bereits bezahlt.


In der Tat: Das Beispiel ist nachahmenswert. Die Idee ist aufzugreifen, natürlich auf unsere Verhältnisse anzupassen, auch oder gerade in der Schweiz, in der Eidgenossenschaft, wo der Genossenschaftsgedanke grosse Tradition hat. Erinnert sei an Alpengenossenschaften, die noch heute funktionieren und nicht zuletzt an Coop und an die Migros, die ja auch als Genossenschaften gegründet wurden und noch heute als Grosskonzerne – genossenschaftlich organisiert – sehr erfolgreich zu wirtschaften wissen.

In Küsnacht/Erlenbach, in Zollikon, in Meilen gibt es „Senioren für Senioren“-Gruppierungen bereits, als Vereine bestens organisiert. Auf dieser Grundlage wäre es zu einer Genossenschaft nach dem Vorbild Riedlingens ein leichter Weg. Sie müssten ihre bisherigen Leistungen unter professioneller Hilfe auch auf die Pflege ausdehnen. Die Gemeinden könnten Pate stehen, müssen sie doch schon jetzt in der neuen Pflegeversicherung einen höheren finanziellen Anteil gegenüber der alten Regelung leisten. Und ein Tipp: Man kann auch direkt eine Genossenschaft gründen.